Antike Tinte im Mittelalter

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Tinte im Mittelalter

Tinte kommt aus dem Lateinischen und bedeutete so viel wie "tingere = färben". Hast Du Interesse, einmal Tinte herzustellen oder einfach zu erfahren, woher Tinte kommt, aus was sie besteht und wie sie verwendet wird?

Der Entwicklungsgang von "Tinte" ist immer gleichzusetzen mit dem Schriftwesen oder der Kulturgeschichte eines Volkes. Jede Kultur ist ohne Schrift einfach nicht denkbar, denn alle Errungenschaften werden aufgezeichnet, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Die Schreibkunst kann natürlich nicht ohne geeignetes Werkzeug durchgeführt werden. Es begann alles mit Felsen oder Steinen, ging über Ziegelsteine mit Keilschrift und Tongefäße. Fortgeführt wurde die Geschichte der Schrift durch Blätter und Rinde bis zu dünnem Material, wie Pergament oder Papyrus, das erstmals mit flüssigem Schreibmittel beschrieben werden konnte. Jetzt war es möglich, dass Schriftstücke leicht aufbewahrt, gelagert und transportiert werden.

Schreiben im Mittelalter

Die Schreibkunst wurde im Mittelalter hauptsächlich in Klöster angewendet. Dort wurden in erster Linie religiöse Bücher und Bibeln geschrieben und kopiert. Das Schreiben erfolgte durch Mönche; es gab aber auch Frauen, die mit dem Anfertigen von Büchern beschäftigt waren.

Die Schrift des Mittelalters war eine andere als die heutige. Zur Zeit von Karl dem Großen wurden die karolingischen Minuskeln entwickelt. Dadurch sollte die Schrift im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen vereinheitlicht werden. Minuskeln wurden etwa bis in das 11. Jahrhundert geschrieben und danach entwickelte sich allmählich die gotische Buchschrift. Die besondere Gestaltung von Anfangsbuchstaben und künstlerische Ausmalung von Bildern waren wichtige Bestandteile mittelalterlicher Bücher. Ihre Farben wurden aus Mineralien, Erde, Pflanzen oder Tieren hergestellt, mit Eiweiß als Bindemittel vermischt und zum Aufmalen mit Wasser verdünnt.

Pergament war bis zur Einführung von Papier das wichtigste Material zum Beschreiben. Es wurde aus Häuten von Kälbern, Ziegen oder Schafen hergestellt. Nach Einlegen der Haut in Kalkwasser wurde sie gespannt, auf beiden Seiten abgeschabt und getrocknet. Ab dem 13. Jahrhundert setzte sich allmählich Papier durch, das von China über Spanien nach Europa gelangte.

Tinte im Mittelalter

Im Mittelalter wurden verschiedene Tinten mit unterschiedlichen Rezepturen entwickelt. Bemerkbar ist, dass tatsächlich giftiges Arsensulfid benutzt wurde, um eine goldfarbene Pigmentierung zu erreichen. Dadurch konnten besonders prachtvolle Handschriften gefertigt werden. Teilweise wurde sogar Goldtusche aus zermahlenem Goldstaub verwendet. Durch die Verbreitung von Federkielen entwickelte sich allmählich die Dornenrindentinte. Sie hatte die Eigenschaft, dass sie nicht so schnell eintrocknen konnte, sodass der Federkopf nicht so schnell verstopfte.

Tintenfässer wurden unter anderem aus Rinderhörnern gefertigt, die in ein Loch des Schreibpultes gesteckt wurden. Schreibmaterial waren auch Wachstafeln, auf die mit Griffeln geschrieben wurde. Wachstafeln fanden Verwendung, indem ein Text zunächst dort aufgeschrieben und dann auf wertvolleres Pergament kopiert wurde.

Schreibgeräte waren angeschnitten Vogelfedern oder Gänsekiele. Diese Federn wurden zum Schreiben so zugeschnitten, dass sie breite aber auch dünne Striche erzeugen konnten. Die harten Spitzen der Federn weichten im Laufe der Zeit durch die Tinte auf, sodass die Federn mit einem scharfen Federmesser regelmäßig nachgeschnitten werden müssen. In der Buchmalerei wurden zusätzlich Pinsel aus Haaren verwendet. Die Schreibunterlagen waren geneigt, damit die Tinten nicht so schnell aus der Feder floss und der Schreiber nicht so oft mit dem Federkiel in das Tintenfass eintauchen musste.

Tinten-Arten im Mittelalter

Im Mittelalter wurde hauptsächlich die Rußtinte verwendet. Die Herstellung erfolgte aus Ruß, Ochsengalle, Eiweiß und Wasser. Durch den Ruß wurde eine entsprechende Färbung erzielt. Die Ochsengalle bewirkte, dass Ruß und Flüssigkeit sich vermischen ließen und durch das Eiweiß blieb die Tinte am Schreibuntergrund haften. Die Tinte wurde mit Wasser verdünnt, bis sie eine schreibfähige Konsistenz aufwies.

Ebenso wurden noch andere Tinten, wie Dornentinte oder Eisengallustinte verwendet. Zur Herstellung von Dornentinte wurde Rinde des Schlehdorns mehrere Tage in Wasser eingelegt und danach mit Wein dick gekocht. Anschließend wurde das Gemisch in einem Pergamentsack getrocknet. Dornentinte hat eine rot-braune Färbung, ist wasserfest, unbegrenzt haltbar und kann zur Verflüssigung mit Wein aufgerührt werden.

Die Herstellung von Eisengallustinte erfolgte aus Galläpfeln und Eisensulfat. Diese Tinte ist fast farblos mit einem leichten Graustich und entwickelt an der Luft eine schwarzblaue Farbe. Eisengallustinte benötigt einige Monate zur Herstellung und sie ist wasserfest. Bei dieser Tinte kann jedoch Tintenfraß vorkommen, was bedeutet, dass Tinte sich durch Pergament fressen kann. Allerdings ist sie auch sehr schwer vom Untergrund zu entfernen, sodass sie sich gut für Dokumente eignet.