Lagerleben im Mittelalter - Geschirr

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Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen

Miteinander Essen ist mehr als nur bloße Nahrungsaufnahme. In geselliger Runde schmecken die Speisen und Getränke besser. Es werden Geschichten erzählt, Lieder gesungen, Freundschaften geschlossen. Das ist vor Urzeiten so gewesen und wird auch immer so sein. In längst vergangenen Zeiten, ohne Fernsehen und Internet waren die gemeinsamen Mahlzeiten ein willkommener Anlass um Neuigkeiten auszutauschen und Bündnisse zu schließen. Um diese schöne Tradition zu pflegen, darfst du den Tisch für deine Gäste und Freunde auch mit Liebe und Sorgfalt decken. Dazu gehören nicht nur deftige Speisen, sondern auch das passende Geschirr.

Wenn man an ein Festgelage im Mittelalter denkt, dann glaubt man, üppige Tafeln vor sich zu sehen. Auf den Tischen gab es Berge von Fleisch und Unmengen an Brot. Met, Bier und Wein flossen in Strömen. Die Manieren der Speisenden sollen nicht gerade von feinster Art gewesen sein. Aber das ist wohl ein Trugschluss. Schon früher legte man sehr wohl Wert auf Tischsitten. Sicher wurde auch mal mit den Händen gegessen, aber dass man die Knochen so einfach hinter sich warf, war nicht Gang und Gebe. Vor dem Essen und auch zwischendurch reichten die Knappen ihrer Herrschaft Wasserschalen, damit sie sich die Hände reinigen konnten. Wer sich seine fettigen Finger ordinär an der Kleidung abwischte, gierig aß oder trank, der verstieß auch damals gegen die guten Sitten. Schließlich ließen sich an dem Benehmen der Charakter und der Stand der Gäste erkennen.

Auf den Tisch kamen neben saisonalen Früchten, Gemüsen und Käse natürlich Fleisch und Brot. Dabei zeugte deren Verhältnis vom Reichtum der Gastgeber. Je wohlhabender diese waren, desto mehr Fleisch wurde angeboten. Das älteste erhaltene deutsche Kochbuch soll übrigens ?daz buoch von guoter spise? aus dem Jahr 1345 sein.

Alle Tische voll mit Speisen ...

Die Tafeln waren blank gescheuert oder mit schlichtem Leinen gedeckt. Auf denen fand man Schalen oder Platten für die Speisen und Teller, Trinkgefäße sowie meist auch ein Salzfass. Das gewöhnliche Geschirr und auch das Besteck wurden vorwiegend aus Holz oder Keramik gefertigt. Manchmal waren diese Sachen auch aus Horn geschnitzt und wurden besonderen Gästen vorgelegt. Als Teller dienten ursprünglich Holzbretter oder einfach eine Scheibe Brot. Die gab man nach dem Essen entweder den anwesenden Hunden oder reichte sie an die wartenden Armen weiter. Die Schüssel teilte man sich oft mit seinem Nachbarn. Bist du ihm oder ihr mehr als nur gewogen, dann darfst du dein Gegenüber auch einmal mit besonderen Häppchen verwöhnen.

?Auf uns wohl und niemand Übel!?

Ein kerniger Trinkspruch darf auf keinem Feste fehlen. Auch im Mittelalter waren Traubenwein und Bier unentbehrliche Bestandteile einer zünftigen Mahlzeit. Sie verdrängten nach und nach den vormals üblichen Honigwein, weil dessen Herstellung recht aufwändig war. Der damals gereichte Wein war nach unserem Geschmack meist recht herb. Darum wurde er mit Honig und verschiedenen Gewürzen verfeinert. Auch zum Bier gab es etliche Beimischungen, die nicht immer erfreuliche Nebenwirkungen hatten. Dem wurde später mit dem deutschen Reinheitsgebot ein Riegel vorgeschoben.

Die Trinkgefäße bestanden meist aus Holz oder Keramik. Metall und Glas fand man seltener und kamen erst später in Mode. Die Trinksitten allerdings waren damals hart. Bekam man ein Getränk angeboten, so durfte man es nicht ablehnen. Wer das tat, der beleidigte seinen Gastgeber und galt außerdem als Schwächling. Besonders die Deutschen hatten sich im Laufe des Mittelalters den Ruf erworben, recht trinkfest zu sein. Immerhin wurde es auch Brauch, schon mal seine Diener vorzuschicken, die ersatzweise mittrinken mussten. So behielt man den Überblick und konnte sicher sein, nicht vergiftet zu werden.

Das Anstoßen geht angeblich auch auf einen mittelalterlichen Brauch zurück. Dabei treffen sich alle Becher in der Mitte der Runde und werden kräftig aneinandergestoßen, sodass ihr Inhalt überschwappt und sich vermischt. So wollte ebenfalls man verhindern, dass man beim Gelage Gift angeboten bekam.

Lirum larum Löffelstiel

Die Bezeichnung Löffel leitet sich unter anderem vom althochdeutschen Wort laffan ab. Das bedeutet so viel wie schlürfen oder lecken. Löffel sollen übrigens in ihrer Form einer schöpfenden Hand nachempfunden sein. Da Breie, Soßen und Suppen im Mittelalter stets auf den Tischen zu finden waren, galt der Löffel aus Holz, Horn, Bein oder Ton als wichtigstes Besteckteil schlechthin. Er wurde übrigens als persönlicher Besitz, ebenso wie das Messer, stets mit sich geführt. Besonders schöne Exemplare wurden sogar vererbt. Bekam jemand von seinen Vorfahren einen Löffel, so bedeutete das, dass dieser verstorben war. Daran erinnert auch heute noch der Spruch ?den Löffel abgeben.?

Das Messer war nicht weniger unentbehrlich. Man trug es stets in einer Gürteltasche bei sich, denn es gehörte zu den unentbehrlichen Besitztümern. Du brauchst es natürlich um das dargebotene Fleisch zu zerteilen. Außerdem kann man mit den spitzen Messer die Fleischstückchen aufspießen.

Das Essen mit einer Gabel ist eine neuere Sitte. Ursprünglich dienten die zweizackigen Teile nur zum Herausholen des Fleisches aus der Brühe oder zum Festhalten beim Zerschneiden.