Mittelalter-Glas

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Die Anfänge der Glasherstellung

Die Geschichte der Glasherstellung ist fast so alt wie die Menschheit selbst. Es kann auf natürlichem Weg durch die Eruption eines Vulkans, durch einen Blitzeinschlag oder auch durch einen Meteoriteneinschlag entstehen. Seit fast 5000 Jahren wird von den Menschen Glas hergestellt. Allgemein wurde dafür Quarzsand verwandt, der aber erst bei etwa 1600 Grad flüssig wird. Am häufigsten wurde Kalknatronglas hergestellt, das aus 70 Prozent Sand, etwa 15 Prozent Natriumcarbonat und 13 Prozent Pottasche besteht. Durch die Beimengung von Pottasche oder Soda konnte der hohe Schmelzpunkt, der zum Schmelzen des Sandes nötig ist, gesenkt werden. Willkürlich gefertigtes Glas wurde vermutlich zuerst in Mesopotamien und Nordsyrien hergestellt, das dann auch bald in Ägypten Einzug hielt.

Man erstellte Perlen für Halsketten, aber bald auch schon Trinkgefäße, die aufgrund ihrer kostspieligen Herstellerstellung der Oberschicht und dem Pharao vorbehalten waren. Da der in Ägypten verwandte Sand stark verunreinigt war, wurden die Trinkgefäße undurchsichtig. Ihre Farbigkeit erhielten die Gläser durch Beimengungen von Metalloxiden und Tonerden. Schon sehr früh wurde Glas ein Prestigeobjekt der Mächtigen, mit dem auch rege gehandelt wurde.

Wo wurde das Glas hergestellt

Der Thüringer Wald war seit dem 12. Jahrhundert eine der bedeutendsten Glasherstellungsregionen in Mitteleuropa. Hier fanden die Glashersteller alle Materialien, die sie für ihre Kunst benötigten. Da gab es genügend Holz zum Befeuern der Öfen, Quarzsand, den Hauptbestandteil des Glases, Buchenholz zum Sieden der Pottasche, durch die ein Absenken des Schmelzpunktes erreicht werden konnte und Kalkstein zum Härten. So sind Sandgruben, Wiederaufforstung des Waldes und Wasser zu prägenden Elementen der Glaskultur geworden. Oft waren diese Glaswerkstätten Klöstern angeschlossen. Aber auch im Mittelmeerraum gab es eine bedeutende Glasindustrie. Vor allem im Mittelalter entwickelte sich Venedig zu einer großen Metropole abendländischer Glasmacherkunst. Ab 1201 wurde die Produktion auf die Insel Murano verlegt, weil es aufgrund der vielen Brennöfen in Venedig zu zahlreichen Großbränden gekommen war. Auch heute noch sind diese Orte Horte der Glasbläserkunst.

Wofür wurde das Glas verwandt

Man fertigte Fensterglas für die Kirchen, Butzenscheiben für die Häuser des Adels und reicher Kaufleute und Bauern, die dadurch ihren Reichtum wirkungsvoll zur Schau stellen konnten. Es wurden aber auch Fläschchen für die Arzneien der Apotheker hergestellt und Trinkgefäße für die festliche Tafel der Reichen. Die Handwerker mussten damals nicht nur den schwierigen Herstellungsprozess der Glasproduktion beherrschen, sondern brauchten ebenso fundierte Kenntnisse über die Chemie der Zuschlagsstoffe, mit denen man den Gläsern unterschiedliche Farben verleihen konnte. So erzeugte man zum Beispiel mit Eisenoxid Grüntöne, weshalb diese Gläser auch Waldgläser genannt wurden. So konnte man mit den unterschiedlichen Zusätzen Blau-, Braun-und Grüntöne erzeugen. Wenn Du auch tiefer in die Welt des Mittelalters eintauchen willst, so solltest Du Dich einmal in den entsprechenden Shops (es gibt aber auch einige Onlineshops) umsehen, die originalgetreue, handgefertigte Nachbildungen von mittelalterlichen Glaswaren führen. Dann kannst Du Deinen Trunk aus einem Sturzbecher aus böhmischem Waldglas, einem Rüssel-Glas oder einem Trichter-Glas Dir munden lassen.

Bis ins 17. Jahrhundert war es nicht möglich, das Glas so aufzubereiten, um das heute weit verbreitete, durchsichtige, weiße Glas herzustellen. Aber vergiss bei Deinem Umtrunk nicht, den Sturzbecher auf einen Zug zu leeren und dann mit der Öffnung nach unten auf dem Tisch abstellen. Da fühlst Du Dich dann gleich in die Merowingerzeit zurückversetzt.

Die Glashütten im Mittelalter

Dich interessiert aber vor allem die Frage, wann wurde dann Glas bei uns im Mittelalter hergestellt. In der nachrömischen Zeit war die Kunst der Glasherstellung ziemlich in Vergessenheit geraten. Aber mittels ihrer spärlichen handwerklichen Kenntnisse und einigen geretteten antiken, lateinischen Schriften konnten die Glasmacher in der fränkisch-merowingischen Zeit ihre Kunst weiter entwickeln. Da man für die hohe Schmelztemperatur in den Brennöfen reichlich Brennmaterial benötigt, entstanden die ersten Glashütten in den waldreichen Gegenden Nordeuropas. Für diese Hütten war es charakteristisch, dass ihre Öfen nur cirka drei Monate betrieben wurden. Danach waren die Brennöfen verschlissen und die in der Umgebung wachsenden Bäume waren abgeholzt, denn damals wurde fast ausschließlich Holz als Brennmaterial benutzt. Danach suchten sich die Glashersteller einen neuen Arbeitsort für ihre Öfen.