Die Messer im Mittelalter

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Multifunktionswerkzeug

Das mittelalterlichen Messer war ein Arbeitsgerät zum Schneiden und Zerkleinern. Es bestand einerseits aus der Klinge, andererseits auf dem Heft, also dem Griff.
Messer waren in der damaligen Zeit das am häufigsten genutzte Werkzeug und es diente auch zum Schutz. Das ursprüngliche Arbeitsgerät war in allen Kulturen zu finden und es entwickelte sich zudem zu einem bedeutenden Kunstgegenstand. Im Laufe des Mittelalters kam dem Mehrzweck-Messer auch bei Ritualen eine große Bedeutung zu. Messer dienten oftmals als Schmuckstück und sie wurden auch als Zahlungsmittel eingesetzt. Erst seit dem 18. Jahrhundert zählt das Messer zum Essbesteck.

Die Schneidewerkzeuge hielten nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in Haushalten und Ende des Mittelalters auch in Gaststätten Einzug. Messer wurden auch für chirurgische Eingriffe verwendet. Im Gegensatz zu Dolchen weisen Messer eine einschneidige Klinge auf. Schwerter ebenso wie Säbel hatten eine deutlich längere Klinge. Von Lanzen und Speeren grenzten sich Messer durch den kürzeren Griff ab.

Entwicklung des Messers als Essbesteck

Im Mittelalter wurde das Schneidewerkzeug stets an einem Gürtel in einem Etui getragen. Dieses Futteral wurde im Mittelalter als Besteck bezeichnet. Heute versteht man unter einem Besteck sowohl Messer als auch Gabel und Löffel.

Erst im 17. Jahrhundert verbreitete sich in Europa das zweizinkige Vorlegegabel, die auch zum Tranchieren verwendet wurde. Damals verfügte der Großteil der Messer über einen Klappgriff. Bis zum 19. Jahrhundert war das Messer bei Tisch nicht in allen Haushalten verbreitet. Wer im Mittelalter in einem Gasthaus speiste, musste sich das multifunktionale Schneidewerkzeug meist selbst mitbringen. Oftmals handelte es sich um ein Mehrzweckmesser, welches nicht nur zum Schneiden von Lebensmitteln verwendet wurde.

Bei den Festmahlen am Hof zerkleinerte ein Vorschneider die Speisen in mundgerechte Stücke. Bis zum Beginn der Renaissance stellte das Tranchieren eine Zeremonie in vornehmen Häusern dar. Da die Speisen bereits zerkleinert serviert wurden, waren Messer überflüssig.

Funde belegen, dass die mittelalterlichen Tafelmesser verhältnismäßig schlank und sehr spitz waren, um Speisen auch aufspießen zu können. Charakteristisch war einerseits die kurze Klinge, andererseits die feine Gestaltung des Griffs.

Verschiedene Hefte und Klingen im Hochmittelalter

Im Mittelalter war ein simples Mehrzweck-Messer das Minimum der individuellen Ausstattung. Das Schneidewerkzeug war sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein fixer Bestandteil der Gewandung.
Neben Griffangel-Messer waren im Spätmittelalter auch Messer mit Griffschalen weit verbreitet.

Bei den Griffangel-Messern kann man vier unterschiedliche Formen des Hefts unterscheiden. Zum Teil waren diese Werkzeuge mit einem simplen Griff ausgestattet, der aufgesteckt war. Die Griffe wurden nicht nur aus Holz und Horn, sondern auch aus Knochen gefertigt.
Alternativ verfügten einige Messer über eine zusätzliche Verstärkung des Griffs. Diese Heftverstärkung war entweder am Ansatz oder am Abschluss des Griffs angebracht.

Im Laufe des Mittelalters wurden die Griffe mit Eisenblech- oder Kupferplättchen verziert. Im Mittelalter wurde das vordere Heft-Ende des Griffangel-Messers zum Teil mit Metall ummantelt.
Griffschalen-Messer wurden erst im 10. Jahrhundert nach Christus entwickelt und sie fanden speziell im Hochmittelalter Verbreitung. Sie waren entweder mit Holz-, Horn- oder Knochenschalen ausgestattet. Alternativ verfügte dieser Messer-Typ über separat gesicherte Griffschalen.

Die Formen der mittelalterlichen Messerklingen waren vielfältig gestaltet.
Bis zum 12. Jahrhundert war der Großteil der Schneidewerkzeuge mit einem geraden Rücken und einer geschwungenen Schneide ausgestattet. Im 13. und 14. Jahrhundert wurden in vielen Regionen der Welt Modelle mit gebogenem Rücken gefertigt, deren Schneide gerade verlief. Die Klingen der mittelalterlichen Messer waren großteils circa zehn Zentimeter lang, einige Modelle wiesen jedoch auch doppelt so lange Klingen auf.

Verzierungen der mittelalterlichen Messer

Im Laufe der Zeit entwickelten sich mittelalterliche Messer vom Multifunktionsgerät auch zu einem ästhetisch ansprechenden Gebrauchsgegenstand. Anfänglich wurden die Griffe mit abstrakten Abbildungen von Tieren geschmückt. Seit dem 13. Jahrhundert wurden auch höfische Motive als Verzierung verwendet. Hierzu zählen beispielsweise detaillierte Darstellungen von Rittern und auch Plastiken von Damen des Hofes wurden am Heft ausgearbeitet.

Meist waren nur Griffangelmesser mit dreidimensionalen Verzierungen geschmückt, während zweidimensionale Motive nicht nur Griffschalen, sondern auch Vollgriffe schmückten. Meist handelte es sich bei diesem einfachen Griff-Schmuck um geometrische oder lineare Muster.

Im Mittelalter waren die verzierten Modelle großteils nur für die reiche Oberschicht erschwinglich.

Wissenschaftler können belegen, dass Klingen bereits im 9. Jahrhundert verziert wurden, jedoch war das Dekorieren von Klingen erst im 16. Jahrhundert weit verbreitet.
Der erste Messerfund mit Herstellerzeichen auf der Klinge wird dem 13. Jahrhundert zugeordnet, da sich in diesem Jahrhundert der Beruf des Messerschmiedes entwickelte.

Unterschiedliche Messerarten im Mittelalter

Im Mittelalter waren sowohl Klappmesser als auch Schneidewerkzeuge mit feststehender Klinge weit verbreitet. Messer mit einer fixen Klinge dienten häufig zum Schnitzen und später auch als Tafel-Messer. Eine weitere Variante stellten Wurfmesser dar.
Messer mit Damast-Klingen setzen sich aus unterschiedlichen Schichten weichen und harten Stahls zusammen. Die verschiedenen Lagen aus gefaltetem Stahl sind nicht nur extrem robust und langlebig, sondern auch optisch ansprechend.

Funde belegen, dass die stabilen Macheten auch schon im Mittelalter verwendet wurden.
Spezielle Trainingsmesser dienten einerseits der Selbstverteidigung, andererseits wurden sie bei Messerkämpfen eingesetzt.