Mittelalter Schriftrollen

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Mittelalter Schriftrollen

Bei einer Schriftrolle handelt es sich um eine aus Papyrus gerollte Buchform des Altertums. Sie ist für viele unter uns auch als Buchrolle oder Rotulus bekannt. Papier-Rotulli waren eher selten und gab es nur an manchen Orten.

Material

Standardgemäß bestand die Schriftrolle aus Papyrus und war die meist genutzte Papierform im Altertum. Jedoch setzte sich später der Kodex mit seinem Beschreibstoff Pergament als Buchform durch und löste die Schriftrolle ab. Sehr selten waren früher Schriftrollen, die aus edlen Materialien wie beispielsweise Leder oder auch aus Pergament bestanden. Vor allem bei den Persern, Juden und Ägyptern war wurden Rollen aus Leder verwendet. Die Lederschriftrollen, welche im Jahre 1947 im Toten Meer Qumran gefunden worden sind, waren von hoher Wichtigkeit, da sie Texte über Religion bzw. jüdische Texte enthalten haben. Diese Pergamentrollen sind in der Bibliothek der Attaliden in Pergamon literarisch bezeugt. Der Grund warum Leder und Pergament lieber benutzt worden ist, war deren längere Lebensdauer gegenüber dem Papyrus. Dieses war vor allem sehr empfindlich gegen Wasser und Feuchtigkeit, da die Botschaft bei einem Wasserschaden unleserlich geworden wäre.

Herstellung und Beschriftung der Schriftrolle

Durch das Aneinanderkleben von einzelnen Blättern entstand die Papyrusrolle. IN Schnitt bestand eine Rolle aus ungefähr 20 Blättern und konnte eine Breite von rund 25 cm aufweisen. Komplett ausgefaltet hatten die Rollen im Schnitt eine Länge von 6 bis 10 Metern. Zudem wurde hier auf eine einheitliche Faserrichtung beim Verkleben der Blätter geachtet. Auf der Innenseite verlaufen die Fasern horizontal, da es sich parallel zur Faserrichtung besser schreiben lässt. Und auf der Außenseite der Rolle verlaufen die Fasern vertikal und hemmen somit den Lauf des Calamus. Wenn die Zweitbeschriftung aus der gleichen Hand entstand, sprach man bei beidseitig beschriebenen Rollen von einem Opisthographon. Ein Text wird selten an der Innenseite begonnen und an der Außenseite beendet. Geschrieben wurde auf den Schriftrollen immer mit Tinte unterschiedlicher Rezeptur. Stellen, wo man sich verschrieben hatte, konnten durch einen Schwamm korrigiert werden.

Handhabung und Aufbewahrung der Schriftrolle

Früher wurden die Schriftrollen in Töpfen, Krügen oder auch Körben aufbewahrt oder in liegenden Gegenständen wie beispielsweise in Regalen und Schränken. Bei einem Transport wurden die Rollen in kastenförmige Behälter gelegt, damit diese während der Fahrt nicht zu Schaden kommen. All diese bildlichen Darstellungen sind uns aus Überlieferungen bekannt. Sehr typisch für die römische Zeit war die zylindrische Form der Schriftrolle. Zudem erscheint sie als Attribut für Belesenheit neben den Füßen des Dargestellten. Rollen, die nach längerer Zeit wieder benötigt worden, wurden zwecks Übersichtlichkeit mit einem kleinen Pergament Streifen versehen auf deren beispielsweise der Name des Autors oder auch der Buchtitel stand. Diese wurden meistens an einem oberen Rand der Rolle angebracht, damit sie bei bedichteter Verpackung noch gelesen werden konnten.

Außerdem wird für das Lesen einer Schriftrolle beide Hände benötigt. Hier wird der zu lesende Text mit der rechten Hand abgerollt und mit der linken Hand wird der bereits schon gelesene Text abgerollt. Die umgekehrte Leserichtung, die auch im Gottesdient verwendet worden ist, wird übrigens bei hebräischen Schriftrollen ausgeübt. Zudem ist zu erwähnen, dass eine hebräische Bibelrolle nicht mit den Händen aus religiösen Gründen berührt werden darf, sondern nur an deren Griffen. Zum Lesen wurde früher ein kleiner Stab bzw. ein Zeigestab verwendet. Nach kompletten Lesens der Rolle musste sie wieder zurückgerollt werden. Durch diese Art die Schriftrolle zu handhaben, ergab sich das lateinische Wort für Rolle. Manchmal wurde auch ein Holzstab als Hilfe zum Aufrollen verwendet.

Die Verbreitung und Herkunft der Schriftrolle

Schriftrollen aus der Antike waren in vielen Kulturen vorhanden. Die ältesten Schriftrollen stammen aus Ägypten. Bekannt ist diese seit dem 4. Jhd. in Ägypten. Anschließend wurde sie von den Griechen übernommen. Hier wurde das Papyrus durch Leder als zu beschreibender Stoff ersetzt. Die Papyrusrolle war ungefähr im 6./5. Jhd. bei den Griechen und im 3./2. Jhd. bei den Römern verbreitet. In dieser Zeit wurde die Schriftrolle weitgehend durch den Kodex ersetzt, welches der heutigen Buchform entspricht. Sie galt zudem als Symbol der klassischen Bildung. Rotuli fanden seit dem 9. Jhd. im westlichen Europa Gebrauch und literarische oder wissenschaftliche Bücher fast nur als Kodex. Vor langer Zeit wurde bei uns im deutschen Mittelalter vor allem die grundherrschaftlichen Verzeichnisse in Form einer Rotuli geführt. In der Bürgerrolle wurden alle Bürger verzeichnet, welche anerkannte Bürgerrechte besaßen. Aufgrund dessen verwendet der alemannische Sprachgebrauch noch heute den Begriff Rodel. Im Süden Italiens waren die Rollen für den Gebrauch von Handschriften. Bis in die frühe Neuzeit gab es in den Benediktinerklöstern Totenrotel, die durch aneinandergeklebte Stücke von Pergamenten den Zweck hatten, vom Tod eigener Mönche, etc. zu unterrichten.

Heutzutage werden nur selten Texte in Schriftrollen ausgeführt. Jedoch hat sich diese Tradition im jüdischen Gottesdienst nicht verabschiedet und wird noch heute dort verwendet.