Spiele im Mittelalter

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Es gibt zahlreiche archäologische Funde, die bestätigen, dass im Mittelalter gerne und viel gespielt wurde, und das, vor allem von Erwachsenen. Leider liegen den Spielen natürlich keine Anleitungen bei und so kann teilweise nur gerätselt werden, wie das jeweilige Spiel auch wirklich gespielt wurde. Es steht aber fest, dass wir viele unserer heutigen Gesellschaftsspiele der Kreativität und Fantasie der Menschen im Mittelalter verdanken.

Brettspiele

Brettspiele sind schon tausende Jahre alt und sie waren auch im Mittelalter sehr beliebt. Schach ist zum Beispiel ein uraltes Spiel, das im Mittelalter als Ritterspiel und Mittel der Bildung angesehen wurde. Bekannt waren damals die byzantinische Variante oder ein kreisrundes Schachbrett und die Figuren wurden beispielsweise aus Hirschgeweih geschnitzt. In der byzantinischen Version ist das Spielfeld in vier Ringe unterteilt, in denen sich 64 Kästchen befinden. Die Spielfiguren waren in Europa unter anderem der König und die Bischöfe wobei es in der originalen Version, im Osten, Schah, Elefanten und Wesir waren. Auch damals bestand das Ziel darin, den König zu beseitigen, der Sieg konnte aber auch durch das Schlagen aller anderen Figuren erzielt werden. Der deutsche Name für Schach war Schachzabel und es existierten auch viele Texte über das Spiel, die sogenannten Schachallegorien. Auch eine Art Backgammon wurde bereits im Mittelalter mit Vorliebe gespielt. Damals wurde das Spiel Wurfzabel, Tricktrack oder Puff genannt und die Regeln unterscheiden sich kaum von den heutigen. Anfangs war es ein geschätzter Zeitvertreib der Adeligen aber es setzte sich nach und nach auch in der Bevölkerung durch. Tafl oder Tablut ist ein weiteres Brettspiel, das im Mittelalter sehr verbreitet war. Bei Tablut steht ein König in der Mitte des Spielbretts und er muss sich zusammen mit seinen Verteidigern gegen die Angreifer wehren. Die Angreifer müssen versuchen, den König gefangen zu nehmen und der Spieler mit dem König gewinnt, wenn dieser an den Rand bzw. die Ecke des Spielfelds gebracht wird. Es ist erlaubt, abwechselnd, beliebig weit zu ziehen und eine gegnerische Figur wird gefangen genommen, indem sie von zwei eigenen Spielsteinen umzingelt wird. Alquerque ist die Version aus dem Mittelalter bzw. der Vorläufer des Dame-Spiels, bei dem zwölf weiße und schwarze Spielsteine auf Kreuzstelen von fünf waagerechten, senkrechten und sechs diagonalen Linien aufgestellt werden. Die Regeln ähneln sehr denen von der heutigen Dame und das Ziel ist es, alle Steine des Gegners zu beseitigen. Mühle ist auch ein sehr altes Spiel und es wurde schon im Mittelalter exakt so gespielt, wie auch heute noch.

Kartenspiele

Im Gegensatz zu anderen Spielen waren Kartenspiele im Mittelalter nicht nur sehr beliebt, sondern wurden auch damals erfunden. Sie waren zwar von der Kirche und der Obrigkeit verpönt und galten mitunter als Teufelswerk, trotzdem wurde viel, und auch gern in großen Runden und um Geld, gespielt. Aus alten Schriften geht hervor, dass aufgrund des Verbots die Namen der Spiele oft geändert wurden. Die Spiele, die damals sehr beliebt waren, lassen sich in die drei Gruppen Ablege-Spiele, Stich-Spiele und Wett-Spiele einteilen. Bei Spielen wie Poch ging es darum, die Karten so schnell wie möglich abzulegen. Bei Tarock müssen möglichst viele oder wenige Stiche gesammelt werden und bei Wettspielen, wie Poker, wird auf den Ausgang vom Spiel gewettet. Auch die heutigen Spiele Bakkarat, Einundzwanzig und Rouge stammen aus dieser Zeit. Allerdings gab es bis zum Ende des Mittelalters keine einheitlichen Karten und auch bei den Regeln gab es große Unterschiede. Zum Beispiel unterschied sich die Anzahl der Karten oder der Wert der jeweiligen Karte.

Würfelspiele

Auch Würfelspiele waren im Mittelalter teilweise verboten und wurden dennoch mit Vorliebe gespielt. Es gab nicht nur 6-seitige Würfel, sondern auch 4-seitige oder sogar runde und es existierten viele unterschiedliche Varianten des Spiels. Würfelspiele wie A Mayores oder Tres Canes wurden mit drei Würfeln gespielt und Ziel war es, den höchsten Wurf zu haben. Glückshaus wurde auf einem Spielfeld mit zwei sechsseitigen Würfeln gespielt. Das Spielfeld bestand aus 12 Feldern, die wie ein Haus angeordnet waren. Je nach Wert des Wurfs musste der Spieler eine Aktion durchführen. Würfelt ein Spieler zum Beispiel eine Summe von sechs, so muss er eine Münze auf das Feld "sechs" legen. Würfelt er zwei Sechsen, bekommt er alle Münzen, die auf dem Feld "sieben" liegen und bei zwei Assen, alle anderen Münzen.

Kinderspiele

Die Karten- und Brettspiele waren nicht fur Kinder konzipiert, dafür gab es für sie unter anderem Steckpferde, Reifen, Murmeln oder Bälle, die aus Schweineblasen angefertigt wurden. Die Kinderspielzeuge waren keinesfalls hochwertig, sondern aus einfachen Materialien wie Holzresten oder Steinen angefertigt. Auch Knochen wurden hierfür verwendet, beispielsweise für Wurf- oder Sammelspiele.