Mythologie des Thorshammer

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Mjöllnir

Der Thorshammer, auch Mjöllnir genannt, gilt in der germanischen Mythologie als Kriegswaffe des Gottes Thor.

Mit Hilfe dieser Waffe soll der Gott Thor gegen die Feinde aller Götter gekämpft haben, insbesondere gegen die Midgardschlange, aber auch gegen die Riesen, die nach Vorstellung der Menschen am Ende der Welt gelebt haben sollen.
Warf Thor seinen Hammer, so erschienen am Himmel Blitze, der Mjöllnir flog wie ein Boomerang von ganz alleine in die Hand Thors zurück und sein Streitwagen erzeugte einen donnerähnlichen Ton. Deswegen bezeichnet man Thor bisweilen auch als Donnergott.

Da die Menschen seinerzeit keine andere Erklärung für Naturphänomene hatten, musste es sich dabei um die Aktivität eines Gottes handeln.
Bei den den Südgermanen verehrte man ebenfalls einen Donnergott: Sein Name dort lautete Donar, was ebenfalls soviel wie "Donner" bedeutet.
Man sagt, der Mjöllnir sei einst von zwei Zwergen geschmiedet worden, damit Thor mit ihm gegen die Riesen kämpfen konnte. Die Riesen waren damals ein Sinnbild für zerstörerische Naturkräfte, mit denen Menschen seit je her konfrontiert waren und die sie sich ebenfalls nicht anders erklären könnten.
Thor sorgte also für eine gewisse Ordnung in den Abläufen der Natur und somit für ein Gleichgewicht natürlicher Kräfte. Diese Eigenschaft gab den Menschen die Sicherheit, die Sie benötigten und sie verehrten ihn dafür.

Geschichte und Bedeutung des Thorshammers

Um die Verbundenheit zu Thor nach außen sichtbar zu machen, wurde der Thorshammer häufig als Amulett getragen.
Die Trägerin oder der Träger symbolisierte hiermit, weiterhin den alten Glauben zu verehren und nicht zum Christentum zu gehören.
Christen trugen bereits damals ein Kreuz als Zeichen ihren Glaubens.
Die weitaus meisten Amulette waren aus einfachem Material wie Zinn oder Bronze gefertigt. Es wurden aber auch prachtvolle Meisterstücke aus Gold und Silber gefunden.
Die ältesten aus Silber gefertigten Amulette datieren aus dem 9. und 10. Jahrhundert.
Durch die Vielzahl der Fundstücke gilt der Thorshammer heute als eine in der Wikingerzeit am häufigsten verwendete Schmuckform.
Da sich in dieser Zeit sowohl die religiösen, als auch gesellschaftlichen Gepflogenheiten änderten, wurden mehr und mehr Formen von Thorshämmern gefertigt, die nur bei genauerem Hinsehen als solche zu erkennen waren.
Eines der bekanntesten Stücke zum Beispiel, der Wolfskreuz Thorhammer von Fossi, welcher um die Zeit etwa 1000 n. Chr. gefertigt wurde, hätte leicht auch als Kreuz angesehen werden können.
Möglicherweise konnte der Träger sich zwischen alter und neuer Religion nicht entscheiden oder er wollte auf Nummer sicher gehen und sich aller religiösen Unterstützung versichern.
Ebenso gut könnte dieses Amulett aber auch einem cleveren Händler gehört haben, der mit beiden Glaubensrichtungen Geschäftsbeziehungen hatte und dadurch gleichzeitig beide mit einem einzigen Produkt bedienen konnte.

Belegt wird dies durch den Fund einer Gußform aus der Wikingerstadt Haithabu, mit der man sowohl Thorshämmer, als auch Kreuze herstellen konnte.
In der Literatur begegnen uns mehrere Schreibweisen für die germanische Bezeichnung des Thorshammers.

Außer dem korrekten Mjöllnar sind auch die Begriffe Mjölnir, Mjolnir, Mjölner, Mjølner oder Mjölnar überliefert.

Alle diese Namen bedeuten im weitesten Sinne eine Art von Zerstörung und symbolisieren damit die Stärke und Mystik des Gottes Thor.
Aber der Thorshammer galt aber nicht nur als Symbol für eine Waffe, er wurde auch bei Hochzeiten verwendet.

Der Sage nach wurde der Hammer einst durch den Riesen Thrym gestohlen. Im Tausch gegen die für die Götter unverzichtbare Waffe soll der Riese die Göttin Freyja als Braut für sich gefordert haben. Dieser Handel war jedoch für die Götter ausgeschlossen. Daher wurde Thor zusammen mit Loki, dem Feuergott, ins Reich der Riesen geschickt. In Frauenkleidern als Braut und Brautjungfer getarnt sollten Sie den Thorshammer wieder in ihren Besitz bringen. Sie wurden fast entdeckt, da Thor viel zu schnell beinahe alles hinunter schlang, was ihm als Brautmahl gereicht wurde. Doch Loki, der als raffiniert und verschlagen beschrieben wird, behauptete geistesgegenwärtig, die Braut hätte sehr lange gefastet und deswegen einen so großen Appetit.
Auf diese Weise gelang es, den Riesen zu überlisten, bis man der „Braut“ nach altem Brauch den Hammer als Zeichen der Eheschließung in den Schoß legte.
Wieder im Besitz seiner Wunderwaffe erschlug Thor den Riesen und seine Sippe und kehrte siegreich nach Hause zurück.
Aufgrund dessen wurde dieser Brauch für germanische Hochzeiten übernommen.

Indem man der Braut ein Thorshammer in den Schoß legte, wünschte man dem Paar eine fruchtbare, also erfolgreiche Ehe.
Tatsächlich geht man heute davon aus, dass Thorshammer-Amulette hauptsächlich von Frauen getragen wurden, möglicherweise als Symbol für eine geschlossene Ehe.

Belegt wird dies dadurch, dass Thorshammer-Amulette fast ausschließlich in Gräbern von Frauen gefunden wurden.
Thor galt aber nicht nur als Kriegsgott, sondern auch als Beschützer für Reisende und auch für die Bauern. Er sorgte für gutes Wetter und damit für gefahrlose Reisebedingungen gute Ernten.
Dies erklärt, warum auf Runensteinen der Wikingerzeit häufig der Satz „Thor weihe diese Runen“ zu lesen und oft auch ein Hammer abgebildet ist.

Das Symbol des Hammers hatte bereits in der skandinavischen Bronzezeit (1800 v. Chr. bis 530 n. Chr.) eine kultische Bedeutung.
Vielerorts sind Hammer-Symbole auf Felsbildern, die dieser Zeit zugeschrieben werden, zu finden.
Auch sagte man seit je her den Schmieden übernatürliche Kräfte zu, bestand ihr Talent doch darin, unter der Verwendung von Feuer und mittels ihrer Kraft ein Stück Eisen zu einem Werkzeug oder eine Waffe zu verarbeiten.
Sie wurden bei den Wikingern daher ebenso verehrt, wie man sie fürchtete.

Bedeutung des Thorshammers heute

Der Thorshammer hat bis heute nichts von seiner Bedeutung und Faszination eingebüßt. Er beschützt seinen Träger, verleiht ihm Kraft und sorgt für eine gewisse Ordnung.
Er wird nach wie vor als Symbol heidnischen Glaubens betrachtet und wer ihn trägt, bezieht dadurch Stellung gegen das Christentum oder bekennt sich zu seinen skandinavischen Wurzeln.
Im Nationalsozialismus wurden germanische und andere heidnische Symbole häufig zu Propagandazwecken übernommen.
Der Thorshammer wird heute von Verehrern der Kultur und Geschichte aus Wikingerzeiten getragen und identifiziert seinen Träger oder seine Trägerin nicht unbedingt als Person mit rechtsextremem Gedankengut.

Wer war Thor?

Thor war der Sohn von Odin, des Göttervaters und dessen Frau Frigga.
Thor selbst hatte mit seiner eigenen Ehefrau Jarnsaxa, zwei Söhne, Magni und Modi.
Er herrschte in seinem Palast im Reich von Trudheim, trug den Gürtel Megingjardar und die Eisenhand Jarngreipr. Beides zusammen verlieh ihm eine überragende Kraft und Stärke.
Thor stellte für die Wikinger einen der wichtigsten Götter dar.
Bedingt durch die Nähe zu seinem Volk avancierte er zum beliebtesten Gott dieser Zeit. In den ihm zugeschriebenen Charakterzügen verbirgt sich genau das Bild, welches wir auch heute noch von den Wikingern haben: ein großer, kräftiger Mann mit lauter Stimme.
In der Edda, einer der berühmtesten nordischen Handschriften, wird Thor als ein temperamentvoller und laut polternder Gott beschrieben, zugleich soll er aber auch humorvoll und gütig, vor allem nicht nachtragend gewesen sein.
Seine Stärke machte ihn zum Vorbild seiner Krieger, obwohl Schläue und Kriegslist offensichtlich nicht gerade zu seinen Stärken zählte.